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Brandenburger Oberschulen stärken 16.12.2016

Plenarsitzung im Landtag

Rede zum Antrag der Fraktion der CDU der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Drucksache 6/5544

 

Sie kennen vielleicht das Piktogramm vom Lehrer als Sozialarbeiter, Psychologe, Hausmeister,

Manager, Krankenpfleger, Berufsbegleiter und, und, und. Das trifft es, das trifft genau die Profession des Lehrers. Das macht diesen Beruf so abwechslungsreich, anspruchsvoll und

auch anstrengend - sicher besonders an Oberschulen.

Was die Kolleginnen und Kollegen dort leisten, ist herausragend.

Dafür brauchen sie gute Rahmenbedingungen.

Und ja, Sie haben richtig erkannt: An Oberschulen lernen signifikant viele

Kinder mit Förderbedarfen, mit Verhaltensauffälligkeiten,

Flüchtlingskinder oder Kinder aus sozial benachteiligten Familien. So richtig und so problematisch für einige Schulen die im Antrag beschriebene Situation auch ist, sind diese Probleme doch eine Konsequenz des gegliederten Schulsystems, der frühzeitigen Trennung in vermeintlich Leistungsstarke und Leistungsschwächere. Dadurch verschwenden wir Ressourcen von Kindern und im Übrigen auch von Lehrern.

Genau diese Trennung führt zu dieser Situation und den Herausforderungen, vor

denen besonders die Kollegen an den Oberschulen stehen.

Unsere Alternative kennen Sie: langes gemeinsames Lernen an Schulen, möglichst von der 1.

bis zur 10.bzw.13.Klasse, um wirklich heterogene Lerngruppen zu schaffen.

Und das gelingt in Brandenburg in einigen Schulzentren schon ganz gut und wird mittlerweile auch von Eltern unterstützt. Das Konzept der Landesregierung liegt Ihnen vor. Es wäre schön,

wenn Sie das eher positiv begleiten würden. Zu einigen Punkten Ihres Antrags: Ihre Einschätzung zu VERA8 teile ich überhaupt nicht. Es ist ein Frühwarnsystem für die Lehrer und Eltern. Es stellt den Lernstand bzw. die Kompetenzen der Kinder fest, welche dann in die Unterrichtsarbeit

der Lehrer einfließen. Für Panikmache sind die Ergebnisse ungeeignet, denn der Leistungszuwachs, den die Schülerinnen  und Schüler in den nächsten Jahren bis zur Prüfung der 10. Klasse noch erreichen, wird hierbei nicht dokumentiert. Was in Ihrer Problembeschreibung ebenfalls fehlt, ist die Tat-sache, dass wir an den Oberschulen schlichtweg Lehrerinnen und Lehrer brauchen. Die Ursache liegt im Lehrerbildungsgesetz und der ungleichen Bezahlung. Von den 100 Studierenden, die jetzt an der Uni Potsdam den Masterstudiengang beginnen, haben sich 88 für die Gymnasial-karriere und 12 für die Oberschule entschieden. Wenn wir für die Zukunft vorsorgen wollen, brauchen wir Anreize für Oberschullehrkräfte.

Zwischenfrage: Herr Hoffmann (CDU):

-Sie haben zu Recht auf das Gehaltsgefälle bei den Lehrern aufmerksam gemacht.

Auch wir sind der Meinung, dass Oberschullehrer mindestens eine Besoldung nach A 13 verdient haben. Sie sagen, das fehlt in diesem Antrag. Wir haben das bewusst nicht aufgenommen,

weil wir Ihnen die Hürde für eine Zustimmung nicht unnötig hoch legen wollten.

Wären Sie denn bereit, einer Überweisung des Antrags zuzustimmen, damit wir das in den Beratungen im Ausschuss noch ergänzen können, um diesem Antrag am Ende in qualifizierter Form gemeinsam zuzustimmen?

Antwort Frau Dannenberg (DIE LINKE):

Die Überweisung würde ich nicht unbedingt von der Besoldung nach A 13 für die Oberschullehrer abhängig machen. Ich bin durchaus der Meinung, dass sie diese auf jeden Fall verdient haben. Das Ministerium ist im Übrigen schon jetzt bevollmächtigt, 40 % der Lehrerinnen und Lehrer an den Oberschulen zu befördern - das könnten sie, also sollen sie es doch auch machen.

Die Ursache liegt jedoch im Lehrerbildungsgesetz. Hier muss man noch einmal nachsteuern, davon bin ich überzeugt.

Kommen wir zu den Klassengrößen: 23 bis 25 Schüler wären optimal, das sehe ich als Lehrerin ganz genauso.

Laut ZENSOS-Blitzumfrage des MBJS vom 05.10.2016  liegen von den 1320 Oberschulklassen mittlerweile schon 934 Klassen bei 25 Schülern und darunter - das sind über 70 %.Ich finde, das ist kein schlechtes Ergebnis.36Klassen, das gebe ich zu, liegen bei über 28 Schülern .Das geht nicht, das ist zu viel. Aber hier müssen die Schulämter zusätzliche Lehrerwochenstunden genehmigen, da-mit kleinere Lerngruppen gebildet werden können. Und vergessen wir nicht: An den Oberschulen gibt es kleine Lerngruppen in den Kursen und auch im Wahlpflichtbereich. Schwierig wird es, wenn Kollegen krank werden. Oberschulen sind laut VV-Unterrichtsorganisation bei den Lehrerwochen-stunden heute schon deutlich bessergestellt als die Grundschulen, Gesamtschulen und Gymnasien. Zum Thema Schulsozialarbeit: Dafür sind in Brandenburg die Kommunen zuständig. Das Land hat hierzu erst im Rahmen des letzten Doppelhaushalts entsprechend dem Personalkostenförderprogramm Zuschüsse gewährt.

Zusätzlich erinnere ich an den Antrag der Linksfraktion im Bundestag „Schulsozialarbeit an allen Schulen sicherstellen“. Danach soll Schulsozialarbeit als eigenständiges Angebot ins SGB VIII aufgenommen werden. Dieser Antrag verrottet im Moment im Bildungsaus-schuss des Bundestags.

Reden Sie mit Ihren CDU-Kollegen im Bund! Die sollen den Antrag unterstützen; dann haben wir alle etwas davon - in Brandenburg und anderen Bundesländern. Sie fordern ein Konzept, und ich sage Ihnen: Wir haben eins, nämlich das gemeinsame Lernen in Brandenburg auszuweiten.

Daran partizipieren nicht nur die Oberschulen, sondern auch die Grundschulen, die auch eine bessere Ausstattung nötig ha-ben.

Wir stellen über 600 Stellen für die nächsten zwei Jahre zur Verfügung, und zwar für Lehrkräfte und für zusätzliches pädagogisches Personal in Form einer Poolausstattung der Schulen.

3,5 Lehrerwochenstunden für 12 % der Schülerinnen und Schüler an den Oberschulen, das heißt

für 280 Kinder an einer Schule gibt es zusätzlich 117 Lehrerwochenstunden. Dadurch können die Kollegen auch Unterstützung erfahren und müssen als Sozialarbeiter, Psychologen und

Seelsorger keine Einzelkämpfer mehr sein.

Deshalb lehnen wir Ihren Antrag ab.