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Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger als Lehrerinnen und Lehrer dauerhaft halten und qualifizieren

Plenarsitzung des Landtages

Rede zum Antrag  (SPD, DIE LINKE, B90/GRÜNE) 21.02.2017 Drucksache 6/6076

 

Am 1.März konnten wir in der „MOZ“ zum Thema „Freud und Leid der Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger“  lesen, dass viele motivierte Menschen die Chance für den Einstieg in den Lehrerberuf wie einen Sechser im Lotto empfinden und alles dafür tun wollen, um den Ansprüchen in der Schule gerecht zu werden. Vor allem wollen sie einen guten Unterricht

machen. Auf der anderen Seite ist die Befürchtung ernst zu nehmen, die Qualität unseres Schulsystems würde leiden, wenn zu viele Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger eingestellt werden bzw. wir sie nicht gut genug qualifizieren. Genau deshalb ist dieser gemeinsame Antrag von Grünen, Linken und SPD so richtig und wichtig, für den ich hier ausdrücklich werben möchte.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir sind uns einig: wir brauchen ausreichendqualifizierte und motivierte Lehrkräfte für eine gute schulische Ausbildung. Das Land muss kontinuierlich den Einstellungskorridor im Blick haben, um dies zu realisieren. Diese Erkenntnis gab es aber in den vergangenen Jahren leider nicht immer. Zwischen 2003 und 2008 wurden in Brandenburg im Schnitt gerade einmal rund 100Lehrer pro Jahr ein-gestellt, obwohl der künftige hohe Bedarf bekannt war; die Gewerkschaften haben schon damals darauf hingewiesen. Dieser Mittelbau fehlt uns heute. Lehrkräfte, die heute zwischen 40 und 50 Jahre alt sind, wären eine wichtige Stütze in

den Schulen. Verantwortlich ist dafür unter anderem, Herr Hoffmann, Rot-Schwarz.

Damals schöpfte das Bildungsministerium aus dem Lehrerüberhang, versetzte Lehrer in andere

Schulämter und setzte auf Teilzeit. Nachhaltig war das nicht. Seit 2009 wurden und werden wieder in großem Umfang junge Lehrkräfte eingestellt. Seit 2009 sind weit über 5000 Lehrkräfte neu in den Schuldienst gekommen - das sind deutlich mehr, als den Schuldienst verlassen haben.

Folgt man der Prognose des Bildungsministeriums, dann brauchen wir allein bis 2021/22 rund 5500 Lehrkräfte, also ungefähr 1000 pro Jahr. Zum Vergleich: Berlin benötigt im gleichen Zeitraum das Doppelte an Lehrkräften. Brandenburg ist also bei Weitem nicht das einzige Land, das Lehrerinnen und Lehrer sucht. Wir werden es schwer haben, den großen Bedarf

ausschließlich durch voll ausgebildete Lehrkräfte zu decken. Wir kennen auch die Zahlen der Absolventinnen der Universität Potsdam. Wir werden also auch in den kommenden Jahren auf Quereinsteiger angewiesen sein. Allein im letzten Schuljahr waren das mindestens 230 Männer und Frauen. Sie kommen aus den unterschiedlichsten Berufen mit unterschiedlichen Abschlüssen

und Voraussetzungen für den Einsatz in unseren Schulen. Es sind aber mehrheitlich sehr motivierte Menschen mit großem Engagement, die mit ihrer beruflichen Erfahrung und ihrer Biografie durchaus eine Bereicherung für den Unterrichtsalltag sein können.

Das Problem ist aber: Sie verfügen eher nicht über eine pädagogische, didaktisch-methodische Ausbildung. Sie wissen nicht, wie eine Unterrichtsstunde aufgebaut ist, wie bewertet und korrigiert wird, wie man den Unterricht vor- und nachbereitet, ganz abgesehen von den kleinen Dingen des Lehreralltags wie Klassenbuch und Elterngespräche führen, Lehrplanarbeit, Klassenleitertätigkeit und Klassenfahrten. Sie müssen parallel zu ihrer zum Teil vollen Unter-richtsverpflichtung berufsbegleitend lernen und fühlen sich ins kalte Wasser geworfen.

Die erfahrenen Lehrkräfte an den Schulen übernehmen ihre Begleitung, was für diese oft eine enorme zusätzliche Belastung darstellt. Die Landesregierung war beim Thema Seiteneinstieg ins Lehr-amt schon aktiv. Es gibt vier verschiedene Programme mit insgesamt 200 Plätzen -angepasst an die jeweiligen Voraussetzungen der Kolleginnen und Kollegen. Das ist gut, aber wenn

wir die Qualifizierung der Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger verbessern und vor allem deren langfristigen Erhalt im Schulsystem sichern wollen, brauchen wir ein ganzheitliches Konzept, welches in die Zukunft gerichtet ist. Es geht uns unter anderem um die Ausweitung der bisherigen Kapazitäten für die Weiterqualifizierung - angepasst an die Bedarfe -, und es geht um die Festlegung von Mindeststandards; das alles ist hier schon genannt worden. Besonders wichtig ist der Erhalt des Beratungssystems, und zwar auf allen Ebenen, auch direkt an den Schulen.

Es braucht eine gute Betreuung; ein Schulkoordinator ist durchaus angebracht. Es geht uns um eine Verstetigung des Lehrerprogramms für Flüchtlinge an der Universität Potsdam mit dem Ziel, sie in den Brandenburger Schuldienst einzustellen; denn wir brauchen diese Lehrerinnen und Lehrer aus anderen Ländern dringend.

Den Antrag der AfD lehnen wir ab.

Kernziel muss es aber weiterhin sein, qualifizierte Lehramtsabsolventinnen und -absolventen für die offenen Stellen in unserem Schulsystem zu gewinnen. Dazu braucht es ein gutes Will-kommensmanagement an den Schulen und gute Werbung für unsere Schulen - aber das ist ein anderes Feld.

- Ich freue mich über Ihre Zustimmung zu diesem Antrag.